Vom Knabenschiessen zur Hausfrau

Vor einigen Jahren fragten mich die Kinder warum der Zürcher Feiertag Knabenschiessen “Knabenschiessen” heisst und irgendwie kamen wir auf die Bedeutung und Wertschätzung der Frau in der Gesellschaft zu sprechen. Dass Frauen weniger wert sein sollten als Männer, war ihnen ein völlig fremdes Konzept – halleluja! Ich erklärte, dass Frauen früher keine wichtigen Arbeiten und Berufe ausüben durften, worauf sie ganz entrüstet entgegneten: Aber Haushalt ist wichtig! Touché. Sie merken also doch, was ich den ganzen lieben langen Tag mache.

Als (Haus) Frau und als ihre Mutter bin ich dafür verantwortlich, dass ein grosser Teil ihres Lebens in geregelten Bahnen abläuft, dass es bei uns sauber und aufgeräumt ist (zugegeben, das mit dem ‚aufgeräumt’ ist immer wieder eine grosse Herausforderung), dass sie zu geregelten Zeiten gesunde Mahlzeiten zu sich nehmen, dass ihre Wäsche gewaschen wird, dass sie, trotz allen Protesten, zu vernünftigen Zeiten Schlafen gehen usw., und auch, dass sie langsam lernen dazu beizutragen, um es später selbst umsetzen zu können. Was für eine wichtige, wertvolle und (trotz aller damit verbundenen Arbeit) schöne und sehr praktische Aufgabe wir als Mütter und Hausfrauen haben. (Und das ist nur ein Teil unserer Aufgabe.) Wir investieren in die Zukunft!

Ich bin weit weg von der perfekten Hausfrau. Ich habe schon immer meine Nase lieber in ein Buch gesteckt als in die Küche. Manchmal sammeln sich die Staubmäuse glücklich und zufrieden in den Ecken, gelegentlich geht ein Gericht völlig daneben, so dass ich niemandem mein Essen zumuten will und es kommt vor, dass die ungebügelte Wäsche sich wie der schiefe Turm von Pisa in die Höhe reckt. Gerade deshalb denke ich voller Stolz und Dankbarkeit an den Moment zurück, als mir meine Mutter sagte: „Sonja, du bist trotz allem eine ganz gute Hausfrau geworden.“ Danke, Mom.

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