Das sind wir alle

Alice: “Glaubst du, ich habe den Verstand verloren?”

Vater: “Ich fürchte, ja. Du bist übergeschnappt, hast eine Meise, bist nicht ganz bei Sinnen. Aber weißt du was? Das macht die Besten aus!” (Alice im Wunderland)

 

Kürzlich im Supermarkt meines Vertrauens.

Eine Mutter: Zucchetti haben wir gern; suchen wir eine kleinere Packung.

Ihr Teenager-Sohn: Gell, ich bin immer noch psychisch krank?

Ich (nur in Gedanken): “Mein Lieber, vielleicht bist du noch psychisch krank, aber weisst du was? Das macht gar nichts. Wir haben alle irgendwo einen Sprung in der Schüssel. Einige verstecken es einfach etwas besser als andere.

Das Leben ist manchmal sehr hart und brutal. Was uns im Leben begegnet und womit wir fertig werden müssen, können wir selten steuern oder kontrollieren. Manchmal müssen wir lernen mit einer Not zu leben. Manchen Menschen gelingt das einigermassen, anderen gelingt es gar nicht und sie brauchen Hilfe und Werkzeuge, um überhaupt zu überleben. Das kann eine Klinik sein, ein Medikament oder es können auch andere Menschen sein, die jemanden auffangen und tragen. Aber so ganz alleine gelingt es uns, glaube ich zumindest, nicht wirklich.

Manchmal wird einem alles zu viel. Pubertät, Entscheidungen, Beziehungen, Familie, Schicksale. Das Leben ist nicht einfach und wird auch mit dem Alter nicht wirklich einfacher. Manchmal findet man nicht mehr alleine aus dem Nebel heraus. Manche Menschen verdrängen oder betäuben die Not, was aber langfristig nicht hilfreich ist. Oft sind die „kranken“ Menschen diejenigen, die auf das reagieren, was in der Welt krank ist. Sie sind „zu sensibel”. Es ist auch wirklich schwierig eine Not oder einen Schmerz auszuhalten und kann uns krank machen.

Vor allem aber brauchen wir einander. Wir können einander den Rücken stärken und einander in Verständnis begegnen. Wir können die Messlatte etwas tiefer ansetzen und Menschen Raum zum Atmen geben, Fesseln lösen und vermitteln: Ich seh dich. Du bist gut genug. Du bist wertvoll. Du bist geliebt. Ich mag dich.”

Am liebsten hätte ich den Jungen umarmt, aber das macht man hier nicht so und ich bin für so etwas auch viel zu schüchtern. Aber im Herzen hab ich ihn ganz fest gedrückt.

Alice: “Glaubst du, ich habe den Verstand verloren?”

Vater: “Ich fürchte, ja. Du bist übergeschnappt, hast eine Meise, bist nicht ganz bei Sinnen. Aber weißt du was? Das macht die Besten aus!” (Alice im Wunderland)

Es braucht so wenig

Der Tag fing nicht so besonders an. Ich war anderthalb Stunden vor dem Wecker wach und döste so halb vor mich hin bis ich aufstehen musste und dann begrüssten mich Berge von Wäsche, die sortiert, gewaschen und zum Trocknen aufgehängt werden mussten. (Übrigens wurde mir von einem schlauen App auf meinem Smartphone kürzlich bestätigt, dass ich an so einem Waschtag zwei Km – die Treppen hoch und runter – laufe.) Das Bügelbrett stand immer noch im Wohnzimmer rum, weil ich bereits zweimal vergessen hatte die Aufbügel-Flicken für Svens Hosen zu kaufen und ich nicht alles verräumen wollte, nur um es gleich darauf wieder aufstellen zu müssen.

Ich hatte immerhin etwas Ruhe und Zeit für mich, aber dann ging’s plötzlich los. Eine laute Diskussion mit Kristina, ob sie jetzt mit dem Bus oder mit dem Fahrrad in die Schule fährt, ob und wann sie das Bus-Abo kaufen solle, Vorwürfe, dass ich sie nicht verstehe und anscheinend gar nichts kapiere und ich verkroch mich ganz schnell, bevor ich Dinge sagte, die ich noch bereuen würde. Das sieht von Aussen vermutlich sehr nach „ich-lass-mich-durch-nichts-aus-der-Ruhe-bringen“ aus, aber in mir drin bin ich ganz klein und zerknirscht und frage mich, was meiner Tochter den so urplötzlich über die Leber gelaufen ist; sie war doch gar nicht so schlecht drauf und überhaupt, warum muss ich das alles immer ausbaden?!? So behandelt zu werden ist eh gemein und ungerecht, und soll sie ihr Pausenbrot doch in Zukunft selber schmieren, wenn sie es sich leisten kann mich so fertig zu machen. Und zur Zahnreinigung soll sie doch auch gleich selber gehen, sie ist doch kein Baby mehr, aber nein, ich muss mit – wer versteht schon warum!? Sehen die Kinder den gar nicht, was ich alles für sie mache? Und mir fiel ein, dass sie ein sehr launenhafter Teenager ist und ich manchmal eine launenhafte Mutter bin und, na ja, manchmal kracht es halt.

Aber dann wurde es noch schlimmer. Sven zu wecken, ist nach den Ferien nicht lustig und heute kam er kaum aus dem Bett. Manchmal, wie heute, schafft er es bis aufs Sofa, wo er prompt wieder einschläft. Als ich das Loch in seiner Unterhose sah, meinte ich, er könne sie am Abend gleich wegwerfen. Darauf er: „Sie ist eh etwas klein.“ Ich: „Dann ist es höchste Zeit, du kannst sie gleich jetzt wegwerfen, ich hole dir eine andere aus dem Schrank.“ Daraufhin holte er verzweifelt Luft und sagt: „Mama, du verstehst es einfach nicht.“ Und ich verstand wirklich nichts mehr. Und verzog mich wieder und dachte, was für ein blödes Kind (was nur bedingt besser klingt, als „was für ein verkackter Morgen“).

Nach dieser liebevollen (hust, hust) Behandlung von zwei meiner Kinder fühlte ich mich nicht so toll (das ist möglicherweise leicht untertrieben). Auch wenn ich theoretisch weiss, dass ich vieles richtig mache und sie aus ihrer Launenhaftigkeit oder Müdigkeit so unausstehlich sind, tut es manchmal einfach weh. Und es ist niemand da der mich wieder aufpäppelt, was mir in so einem Moment fehlt, aber heute war es, dank der Zahnreinigung an die ich Kristina begleitet habe (obwohl ich nicht wollte), anders. Die Zahnhygienikerin hatte sich nett mit Kristina unterhalten und als Kristina mal den Mund ausspülen musste, drehte sich die junge Frau zu mir um und sagt: „Sie sind sehr schön angezogen, das wollte ich Ihnen noch sagen. Sie haben das wirklich schön kombiniert.“ Das hat mich glücklich gemacht. Wie wenig es doch manchmal braucht.

(Falls es jemanden interessiert, ich hatte graue Stiefel, verwaschene Jeans und einen dunkelblauen Pulli über eine blau-lila karierte Bluse an. Und ich finde auch, dass diese Kombination gut aussieht und mir steht. Und von nun an will ich mit Komplimenten für andere nicht so knauserig sein, weil, wer weiss, was die für einen Morgen hatten!)

Über Sonntagsfahrer am Mittwochmorgen

Vor mir kriecht ein Aargauer – ja muss denn der so langsam fahren? Ah, er biegt ab, aber jetzt habe ich einen kleinen Transporter vor mir, der auch nicht schneller fährt…jetzt biege ich ab und prompt fahre ich hinter einem St. Galler, der es auch nicht eilig hat und sich vermutlich in der Gegend nicht auskennt.

Heute komme ich besonders langsam vorwärts, dabei wollte ich diesmal nicht zu spät ins Fitness kommen (wie letzte Woche) und bin extra ein paar Minuten früher aus dem Haus, um in Ruhe den festgefrorenen Schnee (der inzwischen geschmolzen und wieder gefroren und daher eher als Eisschicht zu bezeichnen war) von der Windschutzscheibe zu kratzen. Das habe ich geschafft und jetzt kam ich doch nicht richtig vom Fleck.

Auf der letzten Gerade vor meinem Ziel war die Bahn endlich frei und ich schaute kurz auf die Zeit. Ja so was, ich bin super dran – trotz all den Sonntagsfahrern, die am Mittwochmorgen unterwegs waren. Und innerlich höre ich eine klare Stimme, die sagte: Siehst du, ich schaue schon, dass du rechtzeitig an dein Ziel ankommst. Mach’ dir nicht so viele Gedanken über die Autos (oder die Menschen!!), die dich davon abhalten so schnell wie du es möchtest an dein Ziel zu kommen. Ich seh’ das. Ich hab’ immer gleichzeitig dich und das Ziel im Auge und – ich erinnere dich gerne daran – bisher hast du deine Ziele immer rechtzeitig erreicht.

Aha.

Ich bog schwungvoll in den Parkplatz und wurde ganz still. Denn da hat jemand ganz viele Gedanken des Friedens über mir, er kennt meinen Weg und das Ziel, er weiss wie ich’s meine und er lässt mich nicht im Stich.

Heute leben und zwar schön

Der Luftballon flog über den Tisch, Kristina gab ihm einen Schubs und er flog in ein Wasserglas, welches vom Tisch rutschte und auf dem Boden in tausend Stücke zersplitterte. Es war eines meiner schönen Gläser. Das Stück kostet Fr. 10.- und ich hatte es mir vom Weihnachtsgeld meiner Mutter gekauft. Schluck.

Es waren Gäste im Haus, Kristina schaute betreten und ich sagte nicht viel. Die Frage stand im Raum, warum ich nicht die alten, einfachen (billigen und, ja, hässlichen) Wassergläser aufgetischt hatte. Um die wäre es nicht schade gewesen. (Es war ja schliesslich ein Kindergeburtstag.) Wir putzten und räumten auf und ich hatte Zeit meine Gedanken zu sortieren. Ich erinnerte mich daran, warum ich gerne im Alltag die schönen Sachen gebrauche.

Als ich Stefan heiratete, hatten wir Alltagsgeschirr (sein Junggesellengeschirr) und ein schönes, von uns beiden ausgesuchtes Sonntagsgeschirr. Als er krank wurde, fing ich an jeden Tag das Sonntagsgeschirr zu gebrauchen. Da wir nicht mehr so viele gemeinsamen Sonntage haben würden, wollte ich jeden Tag mit Stefan aus den schönen Tellern essen.

Ausserdem, wenn wir auf die spezielle Gelegenheit warten, um das schöne Geschirr rauszuholen, das hübsche Kleid anzuziehen, das spezielle Parfüm aufzutragen, das … (jeder setze hier das ein, was ihm kostbar und wertvoll ist), kann es passieren, dass es plötzlich zu spät ist und es bleibt nur noch der schale Nachgeschmack einer verpassten Gelegenheit.

Nackt oder das liebe Geld

Ich las kürzlich im Tagesanzeiger einen Artikel über eine alleinerziehende Mutter, die als Sozialempfängerin am Existenzminimum lebt. Solche Schicksale sind sehr bewegend, weil sie hier mitten unter uns in diesem reichen Land stattfinden. Sie bewegen mich auch deshalb, weil es genauso gut mich hätte treffen können. Vieles kam mir auch sehr bekannt vor, weil ich kürzlich, um eine finanzielle Unterstützung für meine Kinder zu bekommen, meine Finanzen (zwar nicht auf dem Sozialamt, aber trotzdem) offen darlegen musste. Diese Frau sagt über den Gang aufs Sozialamt: „Es ist ein gewaltiger Eingriff in die Privatsphäre, man legt sein ganzes Leben auf den Tisch und fühlt sich wertlos.“

Ich las diese Worte und wusste, ja, genau so ist es. Wenn ich erklären muss, woher wie viel Geld kommt – und auch noch wofür ich es ausgebe – da habe ich das Gefühl, dass ich nackt dastehe. Es ist kein angenehmes Gefühl, auch wenn ich sage, dass es mir nichts ausmacht. Es macht doch was aus. Und es macht auch was mit mir. Ich fühle mich irgendwie etwas weniger wert. “Jeder scheint für sich sorgen zu können, nur ich kann es nicht” geht mir dann durch den Kopf. Wertlos.

Ich vergleiche zu schnell und zu oft. Und ich vergesse zu schnell und zu oft, dass wir bisher immer mit allem versorgt wurden, was wir brauchen und das auf mehr als nur auf der materiellen Ebene.

Wir essen dreimal täglich, haben fliessendes Wasser, ein warmes Haus, Kleider und Schuhe zum anziehen – sogar ein Auto!!! Ich liebe meinen Beruf und (meistens) mein Muttersein und darf mich wirklich nicht beklagen – und vor allem ist mein Leben ist reich an Erfahrungen, an Freundschaften, an Liebe (okay, ich hätte nichts gegen einen Partner… :-)). Und dann denke ich: Wertvoll.

Selbstzweifel

Gestern habe ich versucht die Unterlagen für die Vergünstigung für die Musikschule zusammenzustellen. Mann, war das ein Fiasko! Eigentlich war es nicht so schwierig, aber manchmal gelingt es mir aus „einfach“ „schwierig“ zu machen. Ich brauchte „nur“ eine Kopie der Steuererklärung 2013. ABER, ich suchte zuerst die Steuererklärung 2012, die ich nicht fand, d.h. ich dachte mir fehlte die erste Seite, also druckte ich die aus, die im Computer gespeichert war, was ewig dauerte, weil ich nicht so genau weiss, wie das geht; dann, als ich dachte, dass alles komplett war, fand ich plötzlich die restlichen Seiten nicht mehr (was beim Chaos in meinem Büro-/Schlafzimmer nicht verwunderlich ist) und gab nach einer Stunde einfach frustriert auf.

Heute morgen nahm ich einen neuen Anlauf. Das Sichtmäppchen mit 2012 lag auf meinem Pult, recht gut sichtbar (nur gestern Abend war es kurz unsichtbar), und zum Glück las ich die Anleitung noch mal, wo ich dann merkte, dass ich gar nicht 2012, sondern 2013 brauchte… na sagt’s doch gleich!

Ich habe alles kopiert, in ein Kuvert gestopft und bringe es nachher zum Briefkasten. Manno. Was für ein Theater nur wegen ein paar Steuerunterlagen. Ehrlich.

Nachtrag: Zwei Wochen später schickte mir die Musikschule alles zurück. Ich hatte das falsche Formular ausgefüllt und die Steuererklärung 2012 geschickt… Ist mir noch zu helfen? Drei Kinder gross zu ziehen, (ver)braucht mehr Hirnzellen als ich bisher angenommen hatte.

Ganz normale Helden

Acht Tage. Acht ganze Tage. Von Sonntagmorgen bis zum nächsten Sonntagabend musste ich nur an mich denken, nur für mich packen, nur für mich Entscheidungen treffen, nur für mich sorgen. Ich war ohne Kinder mit zwei Freundinnen unterwegs, zuerst im Jura und dann in Basel. Es war herrlich. Aber auch anstrengend. Vor allem die ersten vier Tage an denen wir jeweils zwischen vier und sechs Stunden gewandert sind. Aber es war gut. Es tat gut am Abend so müde zu sein, dass wir schon um 20 h im Bett waren und kurz darauf einschliefen. Es tat gut einfach zu sein, zu quatschen, zu denken, zu träumen, zu lachen. Ohne an jemand anders zu denken, als nur an mich und meine Weggefährtinnen. Es war eine Leichtigkeit, die ich im Hier und Jetzt mit meinen Kindern wieder vermisse. Ich bin wieder für alle und alles verantwortlich. Ach was, dachte ich früher, die Kinder sind jetzt älter und selbstständiger. Ja, schon, aber ich bin ihre Mutter und alles prallt an mir ab, vieles hängt noch von mir ab und ich frage mich, ob ich sie gut genug erzogen habe; keiner will mir mit der Wäsche helfen (Berge nach den Ferien, obwohl Sven in der Lagerwoche nur ein Bruchteil von dem angezogen hat, was wir eingepackt hatten – aber immerhin hat er am vorletzten Tag seine Zahnbürste ‚gefunden‘ und wohl auch gebraucht!), mit Müh und Not kann ich sie dazu bewegen mir beim Tischdecken und Kochen zu helfen. Aufräumen – ein Fremdwort für meine Kinder. Und ich habe es satt allen hinterher zu laufen und an alles zu denken. Nur schon der Gedanke daran macht mich müde.

Ich dachte, ich wäre nach meinen Ferien wieder so richtig fit und ausgeruht und gestärkt. Aber die erste Woche mit den Kindern ist noch nicht vorbei und ich bin schon wieder müde, hatte wieder oft starke Kopfschmerzen, wollte nach dem Schlafen (in der Nacht und nach der Mittagspause!) nicht wirklich aufstehen und musste mir unter der Decke meinen ganzen Mut zusammenkratzen, um dann mit Gottes Hilfe aufzustehen und den Rest vom Tag in Angriff zu nehmen – der, zugegeben, im Moment nicht wirklich schwierig ist, aber mich doch von der ganzen Verantwortung her einfach schlaucht.

Ich dachte, ich würde mit neuen Blogideen und voller Tatendrang zurückkommen, aber mein erstes Gefühl als ich wieder Zuhause war, war ein Gefühl der Leere und Einsamkeit. Diese Einsamkeit schleicht sich immer wieder ganz unbemerkt rein und tut dann so unschuldig. Die Kinder verscheuchten die Einsamkeit ziemlich schnell, aber die Leere hing noch länger hier rum. Und das Gefühl, dass mir alles zu viel wird, lähmt mich und ich schaffe noch weniger als sonst.

Nun gut, ich habe noch ein paar wenigen Wochen vor mir, um das alles einigermassen in den Griff zu bekommen und um mich wieder füllen zu lassen. Und schon heute hat mir ein Freund ein Lied zugeschickt, dass mich tief berührt und mir auch wieder Mut gemacht hat. Hier ist, ganz besonders für meine alleinerziehende Mitstreiter, Casting Crowns mit Heroes: http://www.youtube.com/watch?v=Bo6MzvgdDEY

“Heroes”

She’s on her own, two girls at home

Thirteen years just up and walked away

And left her all alone

With bills to pay and mouths to feed

And every day she’s taking care of everybody else’s needs

But she’s finding her strength in the One love that won’t ever leave her

So she works and she prays and she loves and she stays cause they need her

These are the heroes, just ordinary people

Laying down their lives like angels in disguise

They’re weak but always willing

They dare to do the hard things

And in the dark and desperate places no one else goes

You’ll find the heroes

You’ll find the heroes

He walks the halls, against the flow

He sees his high school as his mission field

He’s broken cause he knows

The hopeless road that they are taking

The empty feelings they are chasing only lead to futures wasted

So he’s willing to stand alone

He lives what he believes when they all say it’s not worth believing

Every night on his knees, he prays God, won’t You please help me reach them?

You may never know their names

But they’re moving mountains just the same

Instead of searching for the spotlight

They’ll follow Jesus into the darkest night

Heroes, these are the heroes

In the board room with a Bible

In the classroom praying for revival

In third world countries, in downtown missions

Heroes. Helden. Wer sind die Helden von heute? Sind das vielleicht auch die Alleinerziehenden, die so vieles alleine tragen und jeden Tag wieder neu aufstehen und den Alltag in Angriff nehmen, obwohl die Last schon lange zu schwer ist? Sind das nicht auch die treuen Leiter der Royal Rangers (christliche Pfadfinder), die selber mit dem Leben und Glauben kämpfen, aber immer für meine Kinder da sind, ihnen ein abwechslungsreiches Programm bieten und das Leben mit ihnen teilen? Und die Frauen und Männer, die Tag für Tag ihren betagten und bedürftigen Ehepartner pflegen? Auf euch!

Schritt für Schritt

Hier ist nun der ausführliche Bericht meiner Wanderferien:

Am ersten Tag wanderten wir auf und um den Creux du Van. Etwa 730 Höhenmeter. Die schweren Rucksäcke hatten wir am Bahnhof gelassen, was mit einer gewissen Hektik in Neuchâtel verbunden war, da wir nur wenige Minuten zur Verfügung hatten, um die Schliessfächer zu finden, alles reinzupacken und dann auf’s Gleis zu rennen (um den Anschluss nicht zu verpassen), aber eine weise Entscheidung war, obwohl ich dann noch mein Billette kaufen musste (was trotz einigen Anlaufschwierigkeiten schliesslich doch mit der SBB-App klappte). Es ging alles auf. Der Creux du Van war sehr eindrücklich und wir am Ende des Tages sehr müde – aber glücklich. Und mit meinen zwei Freundinnen zusammen hat Hektik immer einen Anstrich von…verrückt-lustig und „puh, wir haben’s geschafft” – wir sind also gut und verrückt!

Am zweiten Tag nahmen wir den Zug von Le Locle nach Les Brennets, wo wir ein Schiff zu den Sauts du Doubs nahmen und dann dem Doubs nach Richtung Biaufond wanderten – etwa sechs Stunden und diesmal mit den schweren Rucksäcken. Da machte sich der Muskelkater in den Schienbeinen vom Abstieg des Creux du Van schon mal bemerkbar, aber ich schrieb innerlich schon an einem Blog.

Am dritten Tag wanderten wir den Doubs entlang bis nach Goumois – wir liessen die „Echelles de la mort“, also die Todesleitern wohlweisslich aus, aber ich hatte an diesem Punkt schon in den Überlebensmodus gewechselt und alle Gedanken an einen zukünftigen Blog waren verflogen. Ich sagte meinen Freundinnen nur, dass ich, falls ich überleben sollte, sicherlich einen Orden verdient hätte. Mir taten nicht nur die Schienbeine weh, sondern jetzt machten sich auch noch die Waden bemerkbar und um das Erlebnis noch unvergesslicher zu machen, schmerzten meine Fussballen. Nach ein paar Stunden ging es nur noch darum einen Schritt nach dem anderen zu machen – sonst wäre ich nie angekommen. Ich hatte auch keine andere Wahl. Und genau an diesem Punkt dämmerte mir, was unsere Wanderung mit meinem Leben zu tun hat – aber erst als ich schon längst wieder Zuhause war.

In der erster Woche nach den Wanderferien, als ich in den (anstrengenden Ferien-) Alltag mit den Kinder eintauchte, wurde mir etwas klar. Ich wache immer noch jeden Tag mit einem Hilfeschrei zum Himmel auf und gehe am Abend mit einem Danke auf den Lippen ins Bett. Dazwischen gibt es nur eins: einen Schritt nach dem anderen zu machen. Manchmal will ich keinen Schritt mehr machen oder dann nur Schritte weg von allem, was mir gerade zu anstrengend ist und über den Kopf wächst, aber es gibt gerade keinen anderen Weg mein Ziel (sagen wir mal kurzfristig gedacht: den Abend) zu erreichen, als nur einen Schritt nach dem anderen zu machen.

Manchmal geht es nur darum, das zu machen, was vor einem liegt. Ein Schritt nach dem anderen.

Aufstehen. Schritt. Frühstücken. Schritt. Pausenbrote schmieren. Schritt. Die Kinder mit einer Umarmung oder einem Kuss verabschieden. Schritt. Arbeiten. Schritt. Mittagessen kochen. Schritt. Nach dem Essen aufräumen. Schritt. Arbeiten. Schritt. Die Kinder nach der Schule in Empfang nehmen und mich dann auf den wirklich anstrengenden Teil gefasst machen. Schritt. Kinder an die Hausaufgaben erinnern. Schritt. Kristina helfen, die um meine Hilfe bittet, sie aber nicht wirklich annehmen will (z.B. bei den Hausaufgaben und was mich das an Nerven kostet, geht auf keine Kuhhaut). Lange überlegen und dann doch: Schritt. Mit Sven lesen üben. Schritt. Jana bei Berufswahl-Angelegenheiten helfen. Schritt. Und noch tausend andere kleine aber wichtige Dinge, die zur ganz normalen Alltagsbewältigung gehören. Und immer: Schritt.

Der Vollständigkeit halber möchte ich erwähnen, dass wir am vierten Tag unserer Wanderferien von Goumois in vier Stunden nach Soubey wanderten, wo wir in ein kleines Postauto stiegen, dass uns nach St. Ursanne brachte. Dort war unsere Wanderung zu Ende und wir nahmen den Zug nach Basel, wo wir ein paar sommerliche und erlebnisreiche Tage verbrachten.

Ein Schritt nach dem anderen. Ein Tag nach dem anderen. Woche um Woche. Aber wir erreichen Ziele. Wir kommen immer wieder an. Wir bleiben dran, Schritt für Schritt und deshalb sind wir Helden und haben einen Orden verdient.

Heilig leben?

Was bedeutet es heilig zu leben? Das Wort heilig gehört ja nicht gerade zu unserem Alltagsvokabular. Aber wer sich ab und zu in ein Gotteshaus verirrt, der wird diese Worte vermutlich hören. Und wer regelmässig einen Gottesdienst besucht, der wird diese Worte schon so oft gehört haben, dass er sie schon wieder “überhört”. Aber ab und zu frage ich mich solche Fragen und möchte euch Anteil geben an meinen Gedanken dazu.

Bedeutet heilig leben gewisse Dinge nicht zu tun? Bedeutet es gewisse andere Dinge zu tun? Vielleicht. Vielleicht ist heilig leben aber noch viel mehr als nur gewisse Regeln einzuhalten.

Vor einiger Zeit habe ich gelernt, was das Wort heilig in der Bibel bedeutet, nämlich, “für einen besonderen Zweck abgesondert”. Vielleicht habt ihr noch Sonntagsgeschirr? Das wäre dann “heiliges” Geschirr. Ich gebe zu, das ist alles vielleicht etwas arg vereinfacht, aber es hat mir das Wort heilig wieder näher gebracht und ich meine es jetzt besser zu verstehen, wenn uns gesagt wird, wir sollen heilig leben, weil Gott heilig ist.

Irgendwann haben wir angefangen ein heiliges Leben mit einem sündlosen Leben zu verwechseln. Und die Schuldgefühle mitsamt Selbstverdammnis lauern gleich um die Ecke. Ist ja nicht zu sagen, was für einem Druck wir uns dadurch aussetzen.

Ich habe nichts, rein gar nichts, gegen gewisse Leitplanken – ich begrüsse sie sogar – da wir alle wissen, dass  im Zusammenleben jeder nicht einfach das machen darf, was er will. Hier geht es aber um unsere tiefste Motivation, eigentlich um unser Herz: Warum lebe ich wie ich lebe? Wer oder was bestimmt meinen Umgang mit dem Leben und mit allem, was mir das Leben so in den Schoss wirft?

Noch mehr als meinen Kindern einen gesunden Lebensstil (im christlichen Jargon wäre das dann “heilig leben”) zu vermitteln, möchte ich ihnen einprägen, dass Gottes Liebe für sie grösser ist als jeder Fehlentscheid und jedes Versagen. Ich habe jahrelang gebraucht das zu verstehen und wenn es etwas gibt, dass ich aus meiner Scheidung gelernt habe, dann ist es dies: Gott hat keinen Plan B. Er hat Plan A schon lange im Voraus gewusst und sich trotzdem auf mich eingelassen. Diese Liebe, dieses Trotz-Meines-Versagens-Für-Mich-Sein ist es, was mich so zu ihm zieht. Er kennt meine Scheitern, nimmt mich trotzdem an und hat sogar eine Bestimmung und einen Plan für mich. Diese Gnade ist unfassbar. Und plötzlich ist mein Leben total wertvoll und heilig (für einen besonderen Zweck abgesondert).

“Heilig leben” scheint mehr damit zu tun zu haben, was Gott tut, als mit dem was ich tue. Oder könnt ihr euch vorstellen, wie Gott plötzlich überrascht aufschaut und sagt: “Hoppla, die Sonja da unten, die hat meinen Plan aber gehörig vermasselt. Oi vey, was mach’ ich nun? Wie krieg’ ich das jetzt wieder hin?” Ich weiss nicht, wie gross dein Gott ist, aber meiner ist definitiv grösser.

Der Sturz

Manchmal ist ein Sturz vom Velo (Fahrrad für die Deutschen unter euch), vergleichbar mit einem Sturz im Leben.

Ich war auf dem Weg zu einem Treffen mit zwei Freundinnen und gerade als ich ein steiles Strässchen hochfahren wollte, fiel ich vom Velo. Es war ein langsamer Sturz (keine Schürfungen und so) und gleichzeitig so schnell vorbei, dass ich mich unter meinem Velo wiederfand, bevor ich richtig begriffen hatte, was geschehen war. Also, entweder ich werde einfach alt und tattrig, oder es hatte damit zu tun, dass mein Körper noch so viel Schwung hatte und der Gang so niedrig war, dass es einfach nicht passte und ich ins Leere hinaus trampelte.

Dieses mit zu viel Schwung ins Leere trampeln, kenne ich. Ich kenne es aus diesem Zwei-Wochen-Rhythmus mit den Kindern: Ein Wochenende bei mir, ein Wochenende bei ihrem Vater. Wir wissen ja, dass es für die Kinder nicht einfach ist. Ich möchte an dieser Stelle festhalten, dass es für mich auch nicht einfach ist. (Auch wenn mich andere Mütter um diese kinderfreien Wochenenden beneiden…tut mir leid, Ladies.) Ohne diese kinderfreien Wochenende mutiere ich zum nervösen Wrack. Wenn ich aber dann ein kinderfreies Wochenende habe, stürze ich oft und heftig und frag mich, wie ich so plötzlich auf dem Boden landen konnte – es sollte mir doch jetzt besonders gut gehen. Das Leben mit den Kindern ist so voll: Reden, Streiten, Schlichten, Lachen, Kochen, Essen, Sachen machen (wenn ihr das laut lest, merkt ihr, dass es sich irgendwie reimt). Wenn alle plötzlich am Freitagabend weg sind, trample ich mit enormen Schub ins Leere. Bumm. Da lieg ich und sehe nur noch, wie sich die Räder in der Luft drehen.

Aber ich kann euch beruhigen. Ich falle nicht mehr so oft. Nach bald acht Jahren schaffe ich es manchmal auf den Rädern des Lebens zu bleiben und fröhlich ins Wochenende zu radeln. Nicht immer, aber immer öfter.